Andreas Kemper – AfD eine kritische Betrachtung – ein Nachwort

220px-Andreas_Kemper Infos über Andreas Kemper

Am 20.03.2014 besuchte ich eine Veranstaltung des Lokalen Aktionsplanes gegen Rechtsextremismus der Stadt Erfurt, kurz LAP Erfurt. Die Veranstaltung fand auf der Freifläche des lokalen, freien Radios „Radio F.R.E.I.“ statt. Dort befindet sich auch die Kontaktadresse von LAP Erfurt. Als Ansprechpartner ist Jana Schmidt genannt.  Auf der Homepage www.lap-erfurt.de befinden sich noch weitergehende Information zu diesem „gemeinnützigen“ Verein. Gefördert wird der Aktionsplan durch die Stadt Erfurt und den Freistaat Thüringen.

Die ganze Veranstaltung wurde vom Radio F.R.E.I. Team aufgezeichnet und wird demnächst gesendet. Ich bleibe natürlich dran und informiere euch über den Sendetermin.

Um ca. 18 Uhr betrat ich den Veranstaltungsort, auffallend war ein A4 Ausdruck, auf dem geschrieben stand, dass Personen welche dem rechtsextremistischen Personenkreis zugeordnet werden können, der Zutritt untersagt sei. Ich habe mich natürlich nicht angesprochen gefühlt, musste aber etwas schmunzeln.

In dem Veranstaltungsraum befand sich ein Tisch mit einem Laptop an dem Herr Kemper seinen Vortrag vorbereitete, hinter ihm wurde der Vortrag an die Wand gestrahlt. Für das Publikum wurden drei Reihen im Halbkreis bestühlt. Dahinter befand sich eine kleine Bar, wo man sich für einen kleinen Kulturbeitrag ein Feierabendbierchen gönnen konnte. Nachdem um 18:15 endlich die letzten Gäste den Veranstaltungsort betraten, startete der Vortrag von Herrn Kemper.

Herr Kemper selbst, stellte sich kurz vor, dabei betonte er immer wieder, dass er aus einer Arbeiterfamilie stammt, es aber doch geschafft hat zu studieren. Was er genau studiert hat und was ihm als Experten auszeichnet, blieb er leider schuldig. Er selbst erzählt, dass er sich schon seit mehreren Jahren mit dem politischen Umfeld der AfD, bzw. den Vorgängergruppierungen beschäftige und den Anstoß für weitergehende Recherchen  gab ihm das Buch von Thilo Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“(2010).  Im Vortrag selbst betonte er, dass er kein Politologe oder Parteienforscher sei und daher keine tiefergehenden Erkenntnisse vorlegen kann.

Mir wurde auch schnell klar, dass er auch kein rhetorisches oder kommunikatives Studium abgeschlossen haben kann. Der Vortrag gliederte sich recht einfach und schnell, kurz ein paar Worte zu unseren beiden Landessprechern Herr Wohlfarth und Herr Höcke.  Herrn Wohlfarth bezeichnet er als Rechtspopulisten, was das genau ist kann er zwar nicht erklären, aber an dem Zitat würde man es merken. In der Aussage von Herrn Wohlfarth betonte er, dass er Christ sei und erklärte, dass eine Skepsis gegen was Fremdes eine angeborene Sache sei. Für Herrn Kemper ist das eine ganz klare rassistische Aussage. Ich frage mich, ob er seinen Kindern, sofern er welche hat, auch erzieht, dass sie mit jedem Fremden mitgehen sollen. Da ja alle Menschen von Grund auf gut sind und nur weil sie anders aussehen, eine andere sexuelle Neigung besitzen, einer anderen Kultur angehören, nicht vorverurteilt oder kritisiert werden dürfen? Aber halt, ich sollte mich mit dem Gedankengang zurück halten, sonst werde ich noch in einem zukünftigen Vortrag als Rassist hingestellt.

Nachdem Herr Kemper mit seiner eigentümlichen Interpretation versuchte Herrn Wohlfarth als Rechtspopulisten und Rassisten zu entlarven, fuhr er mit Herrn Höcke fort. Er zeigte ein Bild der Kreisverbandsseite des KVs Nordhausen-Eichsfeld-Mühlhausen und lobte diesen, da es dort ein erstes Grundsatzprogamm der AfD gibt. Dieses nahm er auch gleich als „Argumentationshilfe“.

„Die Meinungsfreiheit als Bürgerrecht ist unumstößlich und darf in keiner Weise eingeschränkt werden. Das Mitspracherecht des Volkes kann nur durch Volksabstimmungen gewährleistet werden.“ Hier kritisierte er, dass wir Volksabstimmungen nur zum Zwecke einer neuen Führer-Leitkultur erreichen wollen. Grundannahme für seine Behauptung stelle der autoritäte Führungsstil Luckes dar. Seiner Meinung nach wolle die AfD, die Direktwahl von unserem Bundespräsidenten und Ministerpräsidenten nutzen, um das Volk für eine neue Führer-Idiologie zu sensibilisieren. Diese solle die Grundlage für weitere Schritten seien um Deutschland wieder zu einem autoritärem Führerstaat um zu formen, in dem nur die wirtschaftliche Elite und der Adel mit zu entscheiden hat. – Ich musste mir mein Lachen verkneifen um nicht aufzufallen.

Eindeutige Belege dafür zieht er aus diversen Artikeln aus früheren Jahren von Personen die für die AfD ins Europaparlament einziehen.  Eindeutigster Beweis sei, Frau von Storch. Sie repräsentiere den alten Adel und deren Kampf um ehemalige Privilegien.  Aber zurück zum Herrn Höcke.

„Deutschland ist kein Einwanderungsland. Wir fordern ein Ende der Zuwanderung in unser soziales Netz. Schluss mit MULTIKULTI. Wir lehnen eine doppelte Staatsbürgerschaft ab und betrachten die Akzeptanz von Sitten, Werten und Normen des Gastlandes durch Immigranten als Selbstverständlichkeit.“

Für Herrn Kemper ist das eine deutliche Parallele zur Nazizeit. „Akzeptanz von Sitten“, wäre eine klare rhetorische Anlehnung an das Führer-Regime. Das das Wort „Sitten“ viel, viel älter ist, und umgangssprachlich eine Brauch- und Anstandsknigge beinhaltet, missfällt ihm.  Beziehungsweise, lässt es tief in seine gesellschaftliche Seele blicken.  Nun gut, in Zukunft sollten wir alle Worte aus unserem dunkelsten Kapitel der Geschichte meiden. Begriffe und Redewendungen wie Autobahn, 0-8-15, „wie aus dem FF“, „ich versteh nur Bahnhof“  sollten aus dem deutschen Sprachgebrauch gestrichen werden. Zu mindestens wenn es nach Herrn Kemper und seinem politischen Kollegtiv geht.

Nach dem kurzen Ausflug zu den Personalien der AfD Thüringen widmete sich Herr Kemper unseren Gründern. Er erzählte zu den Personen auf den  ersten 8 Plätzen der Europaliste, zeigte an Hand einiger Zitate, die er sehr frei interpretierte, das die AfD zurück zum Führer-Kult wolle, dass Herr Adam, den Arbeitslosen das Wahlrecht entziehen möchte, Frau von Storch die Adelselite zur alten Größe führe und Herr Lucke ein „krasser Rassist“ sei, weil er den Sinti und Roma eine niedere Bildung zuspreche. Wie Herr Kemper zu seinen Interpretationen kam, kann ich mir nur mit dem fehlenden Wissen über die politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge erklären. Positiv zu zurechnen ist ihm aber, dass er um das fehlende Wissen weis, und sich dazu bekennt, dass er als Arbeiterkind nie zu der „Elite“ gehöre, die globale, soziale und ökonomische Zusammenhänge verstehen kann.

Ich kann dazu nur sagen: „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung.“ – Bei ihm wahrscheinlich auch der Einzige.

Warum er sich trotzdem als AfD-Experte darstellt, bleibt aber offen. Zum Schluss fasst er noch mal zusammen. Die AfD sei eine Nationalliberale Partei in der sich am Rande, wie in jeder anderen Partei auch, Rechtspopulisten und andere Randerscheinungen tummeln, lobte uns, dass bekennende Rechtsextremisten und Rechtspopulisten keine Vorstandsposten übernehmen. Für mich persönlich war es ein Kompliment, als Nationalliberaler bezeichnet zu werden. Schließlich war es ein Nationalliberaler der das Wirtschaftswunder ermöglichte und die soziale Marktwirtschaft in Westdeutschland installierte.

Nach einer guten Stunde war der doch recht monotone, langatmige, ermüdende, rhetorisch schlechte, und oberflächige Vortrag vorbei. Nun konnten Fragen gestellt werden. Natürlich ergriff ich als erstes das Wort und fragte ihn nach einer Definition von Rechtspopulismus. Da glänzte Herr Kemper mit seiner puren Unwissenheit. Für  ihn seien Rechtspopulisten, welche, wie Herr Wohlfarth, die angeblich rassistische Tendenzen formulieren. Mir hat sich nur die Frage gestellt, ob Herr Kemper im Besitz eines Dudens sei, schließlich steht im Duden geschrieben, dass dem Wort Populismus Volksnähe und Verständlichkeit der Politik nahe gelegt wird. Aber von Rassismus habe ich da nie was gelesen.

Meine zweite Wortmeldung befasste sich mit dem Thema „direkte Demokratie“ und der Frage, nach der qualifizierten Einwanderung. Ich fragte Ihn, was das Problem mit mehr direkten demokratischen Elementen sei, schließlich fordere die Linke, Piraten, die Grünen, das schon länger. Er erklärte, dass es ein Unterschied gäbe zwischen der AfD und den anderen Parteien. Die AfD würde die direkte Demokratie nutzen wollen um das aktuelle politische System zu stürzen. Die Partei wäre nicht basisdemokratisch ausgerichtet, sondern würde von oben herab delegieren und typische basisdemokratische Elemente abschaffen wollen. Auf den Hinweis, dass alle Mitglieder zum entstehenden Parteiprogramm befragt und sich einbringen konnten, antwortete er, dass es nur Fassade wäre und es sei keine richtige Befragung gewesen, da man angeblich nur mit Ja oder nein zu einem festen Sachverhalt abstimmen konnte. Da das natürlich nicht so war, wissen alle Mitglieder selber. Herr Kemper, als AfD-Spezialist, hat natürlich keine Informationen darüber.

Dass es in anderen Parteien ähnlich abläuft, bzw. noch undemokratischer abläuft verheimlicht er.

Auf meine zweite Frage, was falsch daran sei, Als Arbeitgeber zu erwarten, dass ein Bewerber der deutschen Sprache mächtig sei, schließlich stelle das nun mal eine extrem wichtige Schlüsselqualifikation dar, verwehrte er mir die Antwort. Was mir nur bestätigte, dass es keine sinnvollen Argumente gegen eine qualifizierte Einwanderung gibt.

Zwischenzeitlich bewegte sich der Uhrzeiger auf um acht zu. Ein linksradikaler Aktivist der örtlichen Antifagruppierung, rief zum Schluss zur großen Gegendemonstration am Wochenende auf. Beginn sei für 7:30 Uhr vor der Messe in Erfurt geplant und danach solle es nach Kirchheim weiter gehen. In Kirchheim halten die jungen Nationalisten der NPD ihren Europaparteitag ab. Der Aufruf endete mit der Aussage „Den Nazis keine Fläche bieten!“ Ob er jetzt nur die NPD meint oder auch die AfD ließ er offen. Nach dem Linksfaschisten ergriff ein DGB’ler das Wort und fasste noch mal zusammen, warum es so wichtig sei, aktiv gegen die AfD vorzugehen. Die AfD würde das System stürzen wollen, seien Türöffner für die NPD und wollen zurück zum Führerstaat. Sie sei eine nationalistische, rechtspopulistische Vereinigung von völkischer Natur. Es wäre notwendig den Bundesparteitag mit ALLEN Mitteln zu unterbinden und zu stören. Wenn das kein indirekter Aufruf zur Gewalt gegen Andersdenkende ist weis ich auch nicht weiter.  Ich hoffe, dass unser Parteitag friedlich und störungsfrei über die Bühne geht, wir unseren straffen Ablaufplan schaffen, wir alle ein Stück näher zusammen rücken, Probleme aus der Welt schaffen, uns für die Zukunft rüsten um einen erfolgreichen Wahlkampf zu führen. Lassen Sie uns alle gemeinsam mit Vernunft und Leidenschaft unsere Zukunft gestallten.

Ich freue mich alle Mitglieder herzlich in unserer wunderschönen Landeshauptstadt begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

MZ

Anhang: AfD-Aufruf zur Demonstration von linken Aktivisten