Weimar sollte mal eine Ortsumgehung bekommen. Der Westteil davon ist gebaut, die Ostumgehung Weimar ist eigentlich gestorben. Die Zeiten, wo Fördergelder zur Verfügung standen, sind um. Durch ein Gezerre im Weimarer Stadtrat um die Linienführung, bei dem die Grünen die Hauptrolle spielten, ist die Zeit um die Jahrtausendwende, in der sich verkehrspolitisch noch was bewegte, rumgegangen. Zwar steht die Ortsumgehung Weimar-Ost als laufende Nr. 27 noch immer im Plan der in Thüringen zu untersuchenden Maßnahmen des Bundesverkehrswegeplans 2015. Die Stadtverwaltung Weimar selbst hat aber kein großes Interesse an der Baumaßnahme, weil der Trassenstreit sofort wieder losgeht, sobald das Thema in den Stadtrat kommt.

Nun ist es interessant, ob der Landkreis Weimarer Land eine Mitschuld an der Misere hat. Die AfD hatte in Vorbereitung der Kreistagssitzung im April eine Anfrage zur Ostumgehung Weimar gestellt: „Hat der Kreis Weimarer Land im Raumordnungsverfahren oder in einer anderen Planungsstufe Stellungnahmen zur Ostumgehung Weimar abgegeben und ggf. welche?“

Der Landrat antwortete, daß der Landkreis sich 1999 für die stadtnahe Variante 1 ausgesprochen hatte, weil diese die größte Entlastungswirkung hat. Der Landrat schrieb: „Mit Schreiben vom 02.04.2001 teilte das Thüringer Landesverwaltungsamt mit, daß das Raumordnungsverfahren nun abgeschlossen ist. (…) Der nach den vorgelegten Unterlagen geplante Neubau der B 7, Ortsumgehung Weimar-Ost entspricht in der Linienführung und der Höhenlage nach Variante 1 unter Einhaltung der nachfolgend aufgeführten Maßgaben den Erfordernissen der Raumordnung.“ Der Landkreis hat also alles richtig gemacht und keine Schuld, das Landesverwaltungsamt hatte die Vorzugstrasse offiziell bestätigt.

Die Weimarer Grünen hatten nachträglich zum abgeschlossenen Raumordnungsverfahren eine sehr unrealistische 102 Millionen € teure Tunnelvariante ins Spiel gebracht, um die 25 Millionen kostende stadtnahe Variante 1 zu verhindern. Nach einem 2013 von den Weimarer Stadtratsfraktionen CDU und Weimarwerk eingebrachten Antrag sollte sich der Oberbürgermeister Wolf (SPD) für die schnellstmögliche Aufnahme der Bundesstraße 7 in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans einsetzen. Sollte die zuletzt favorisierte Tunnel-Variante an den Kosten scheitern, soll der OB bei Land und Bund realistische Varianten ausloten und eine solche abgestimmte Variante dann erneut dem Stadtrat vorlegen. Und da haben nicht CDU und Weimarwerk, sondern Grüne, Linke, Sozialdemokraten, Nationaldemokraten und Piraten die Mehrheit. Kürzere Fahrzeiten zwischen der Autobahn A 4 und dem Nordkreis Weimarer Land stehen damit weiterhin in den Sternen.

Der Verkehr quetscht sich derzeit beispielsweise durch die enge Ortsdurchfahrt von Großkromsdorf, durch Oßmannstedt, Liebstedt, Sachsenhausen und andere Dörfer. Auch die Anwohner der B 7 in Weimar, zum Beispiel in der Jenaer Straße und in der Ebertstraße haben mit den Konsequenzen der Verweigerungshaltung der Politiker in den Weimarer Altparteien zu leben und darunter zu leiden.

Autor: Wolfgang Prabel